Morgestraich & die drey scheenschte Dääg

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© wikipedia | Waggis | Urheber: Roland Zumbühl | Picswiss BS-50-19

 

Dann, wenn andernorts Fastnacht längst zuende ist, geht es Basel erst richtig los. Die Basler Fasnacht (ohne “t”) beginnt am Montag nach Aschermittwoch mit dem sog.  Morgestraich um exakt vier Uhr morgens. Dann löschen die Basler Stadtwerke die Stadtbeleuchtung – es ist stockdunkel – nur die Laternen der Fasnachtscliquen, auf denen sie ihre Sujets (französisch für Themen) präsentieren, spenden den Fasnächtler etwas Licht.
«Achtig! Morgestraich! Vorwärts, marsch!» lautet das Kommando der Tambourmajors, dann setzen sich die Fasnachts-Cliquen in Marsch. Gleichzeit hört man das typische Trommeln und es ertönt das großartigste Pfeifkonzert der Welt, mit hunderten von Piccoloflöten. Dann wird gefeiert, bis sich die Balken biegen, sogar frühmorgens haben die Kneipen geöffnet, die den hungrigen Fasnächtlern und Zuschauern genügend Getränke sowie die typische Mehlsuppe und Zwiebelwähe oder Käsewähe anbieten. Wie es sich gehört, findet das Spektakel genau drei Tage statt: Nach exakt 72 Stunden ertönt wiederum der Ändstraich.
Die Basler Fasnacht hat überhaupt gar nichts mit dem Karneval der rheinischen «Jecken» gemein – ein großer Unterschied liegt bereits in der strikten Trennung zwischen den aktiven Fasnächtlern und Zuschauern. Den Zuschauern in Straßenkleidung kommt nur eine äusserst passive Rolle zu; auch geschminkte Gesichter, Verkleidungen und andere «lustige» Accessoires sind stark verpönt. Der “richtige” Fasnächtler ist voll kostümiert mit Larve (Maske) und gehört üblicherweise einer Basler Fasnachtsgesellschaft an.

Die Nachbarn aus dem Elsaß werden gerne auf die Schippe genommen:
Eine beliebte traditionelle Verkleidung ist der klassische Waggis mit imposanter Larve. Er soll einen Elsässer Tagelöhner in der Arbeitstracht des Elsässer Gemüsebauern darstellen. Er trägt ein Hemd, eine einfache Hose, ein Foulard (Halstuch) in Kombination mit überdimensioniertem Hemdkragen, (zu) grosse «Zoggeli» (Holzschuhe). In der klassischen Version trägt die Larve einen blonden Schopf aus gelbem Bast. Traditionelle Accessoires sind die Rosette (Kokarde) in den Farben der französischen Trikolore (blau-weiss-rot) sowie ein Einkaufsnetz mit Gemüse, ab und an auch ein gewaltiger Beinknochen oder vergleichbarer Knüppel aus Holz. Die kräftig rote Nase der Maske, die sehr imposant in die Höhe ragt, soll auf den übermäßigen Weinkonsum des Persiflierten hinweisen. Der Waggis ist ein grober Habitus, d.h. im gesamten Auftreten also bzgl. Lebensstil, Sprache, Kleidung und Geschmack, soll diese Verkleidung sehr “ungeschliffen” rüberkommen. Er gibt sich als Luusbueb, der gerne Schabernack treibt, aber keinenfalls als Clown verstanden werden will.
Sein wichtigstes Werkzeug ist seine Stimme, mit der er «intrigiert», das heißt lauthals spottet, provoziert und Witze reißt. Einerseits ist der Waggis sehr beliebt, denn er verteilt kleine Gaben – andererseits wird er von den Zuschauern gefürchtet, denn er möchte die Räppli (Konfetti) unter die Kleider der Zuschauer stopfen.

Mehr Infos zu den Cortèges, Guggekonzärt, Gässle, Räppli, «Schnitzelbängg» und «Zeedel» auf Wikipedia Basler Fasnacht »..

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